Die vier Geheimnisse einer Erfolgreich Erfüllten Partnerschaft

Zweites Geheimnis: Liebe
Stephan und Maria Craemer | 20. Februar 2017 | Thema: Erfüllung, Familie, Partnerschaft

Auch wenn Liebe noch so sehr als das Nonplusultra einer Partnerschaft besungen und als einzige, weil wichtigste Basis behauptet wird, reicht sie für eine erfolgreich erfüllte Partnerschaft nicht aus.

1. Liebe sei bedingungslos
Diese Forderung bedeutet, dass man an Liebe keine Bedingungen stellt. Damit hat man allerdings die größte Bedingung überhaupt gestellt, nämlich die der Bedingungslosigkeit. Würden Menschen diesen Anspruch wirklich leben, dann könnten sie jeden Menschen lieben. Das wäre sogar möglich, wenn man eine kleine Differenzierung vornimmt: Man kann einen Menschen lieben, ohne ihn zu mögen und umgekehrt. Jemanden zu mögen, ist an Werte, Standards, etc. geknüpft. Wenn man jeden lieben kann, könnte man jeden Menschen zum Partner nehmen. Jedoch sucht man sich seinen Partner nach ähnlichen Werten und Standards, etc. aus. Zudem spielen ganz archaische Faktoren wie Geruch und Körperbau eine wesentlich größere Rolle, als Manchen lieb ist.

Es gibt keine Bedingungen an Liebe, aber es gibt einige an Partnerschaft. Die meisten glauben allerdings, dass der Partner die eigenen Ansprüche und Bedingungen – gern auch als Bedürfnisse verpackt – nicht nur als vermeintlichen Ausdruck von Liebe kennen, sondern diese auch erfüllen sollte, am besten ohne Gegenleistung. Das Dumme ist nur, dass der andere ebenso denkt und es zum Streit darüber kommt, wessen Ansprüche und Bedürfnisse die besseren, weil richtigeren sind.

2. Liebe ist kein Gefühl
Wenn mit Liebe nur das ‚Schmetterlinge im Bauch-Gefühl’ gemeint ist, zieht man sich bei Problemen gern zurück und aus den Schmetterlingen wird die berühmte Laus, die einem über die Leber läuft. Als derartiges Konzept wird Liebe auf ein bestimmtes Gefühl reduziert. Ist es nicht mehr präsent, scheint die Liebe verschwunden. Ist Liebe statt eines hochflüchtigen Gefühls ein Context, sind alle Gefühle in ihm möglich. Wenn der Partner krank ist, sorgt man sich. Wenn er vorwurfsvoll oder rücksichtslos ist, ärgert man sich. Wenn er sein Wort nicht hält, ist man enttäuscht. Alle diese Gefühle hat man, weil man liebt. Ohne Liebe wäre es einem gleichgültig, was der andere macht oder sagt. Nehmen die negativen Gefühle jedoch überhand, sollen sie dazu dienen, die Vorwürfe zu zementieren. Dann wird man nicht nur verbittert, sondern beginnt sich zu entlieben, was ein genauso aktiver Prozess ist, wie sich zu verlieben, nur in die andere Richtung. Interessanterweise ist das Wort ‚entlieben’ wenig gebräuchlich. Eher wird davon gesprochen, dass die Liebe verflogen ist oder noch besser, dass sie fremdgegangen ist. Wo läuft sie denn hin? Als würde frei laufende Liebe hemmungslos rumvögeln.

3. Liebe als Context
Im Context Liebe ist es möglich, den Prozess des Entliebens gar nicht erst zu beginnen sondern zu stoppen und rückgängig zu machen. Es ist sogar möglich, sich in denselben Partner immer wieder neu zu verlieben. Das setzt allerdings die Bereitschaft voraus, anzuerkennen, dass niemand anderes für die eigenen Gefühle verantwortlich ist. Das enthebt jeden Partner von der Erfüllung des unerfüllbaren Anspruchs, für den anderen als Gefühlskellner herhalten und ihn glücklich machen zu müssen. Damit ist jeder hoffnungslos überfordert. Man wählt, ob man sich verliebt und auf diese Wahl hat niemand Einfluss. Wenn jeder für die eigenen Gefühle selbst verantwortlich ist, kann niemand mehr den anderen vorwurfsvoll emotional erpressen und verlangen, die als Bedürfnisse getarnten Bedingungen zu befriedigen. Dazu muss man allerdings wählen, wen man mehr liebt – seinen Partner oder seine Vorwürfe? Eine gelebte Gefühlskultur ist somit eine Grundvoraussetzung für das Erschaffen der zweiten Säule.

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